Mehrlinge Archive - Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen https://www.papasrabauken.de/category/mehrlinge/ Geistreiche und geistlose Anekdoten über das Leben als Dreifach-Papa Mon, 12 Jun 2023 10:28:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.2 https://www.papasrabauken.de/wp-content/uploads/2017/12/cropped-Signet-32x32.png Mehrlinge Archive - Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen https://www.papasrabauken.de/category/mehrlinge/ 32 32 Was dich (nicht) ankotzt, macht dich nur härter https://www.papasrabauken.de/2019/03/09/was-dich-nicht-ankotzt-macht-dich-nur-haerter/ https://www.papasrabauken.de/2019/03/09/was-dich-nicht-ankotzt-macht-dich-nur-haerter/#respond Sat, 09 Mar 2019 20:00:36 +0000 https://www.papasrabauken.de/?p=386 Vieles an einem selbst verändert sich im Laufe eines Lebens, also rein äußerlich: Körpergröße, Bauchumfang, die Fülle des Haupthaares. Nur selten übrigens zum Positiven. Doch auch Geschmäcker, Vorlieben, Ansichten und Werte verändern sich im Laufe der Zeit. Ich habe das am eigenen Leibe erlebt. Bei mir machte es nach der Geburt meines Erstgeborenen „Klick“. Sowohl … Was dich (nicht) ankotzt, macht dich nur härter weiterlesen

Der Beitrag Was dich (nicht) ankotzt, macht dich nur härter erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
Vieles an einem selbst verändert sich im Laufe eines Lebens, also rein äußerlich: Körpergröße, Bauchumfang, die Fülle des Haupthaares. Nur selten übrigens zum Positiven. Doch auch Geschmäcker, Vorlieben, Ansichten und Werte verändern sich im Laufe der Zeit. Ich habe das am eigenen Leibe erlebt. Bei mir machte es nach der Geburt meines Erstgeborenen „Klick“. Sowohl aktive als auch passive Veränderungen durchziehen seither mein Leben. Aktiv insofern, dass ich beispielsweise von einem Tag auf den anderen das Rauchen aufgab. Nach knapp 15 Jahren – mal mehr mal weniger – starkem Zigarettenkonsum. Quasi von 100 auf 0, ohne danach je wieder auch nur ein einziges Mal gedampft zu haben.

Auf der anderen, der „passiven“ Seite – wenn also das Leben aus dir einfach etwas anderes macht – gibt es unzählige Dinge, auf die ich seitdem einen völlig anderen Blickwinkel erlangt habe. Und ich habe teilweise sogar Eigenschaften an mir entdeckt und entwickelt, die in völligem Kontrast zu meinem Vorleben standen. Über eine ganz besondere Eigenart, sich sogar sehr stark verändert hat, werde ich mich heute etwas ausführlicher auslassen. Nichts für Zartbesaitete. So viel sei vorab gespoilert. Ich befasse mich heute mit dem EKEL. Damit wir, was die Definition von Ekel angeht, alle auf dem selben Kenntnisstand beginnen – gerade in Abgrenzung zu anderen Formen der Ablehnung – bedienen wir uns einer kurzen Definition aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia:

„…äußert sich Ekel mitunter auch durch starke körperliche Reaktionen wie Übelkeit und Brechreiz, Schweißausbrüche, sinkenden Blutdruck bis hin zur Ohnmacht.“

Wikipedia

Was sich wie die körperlichen Begleiterscheinungen nach dem Genuss von drei Tassen gepanschtem 5 Euro-Weihnachtsmarkt-Glühwein anhört, kann aber auch völlig andere Ursachen haben:

Der Arachnophobiker, dem beim Picknick unvermittelt eine Spinne über das Gesicht krabbelt, kann diese körperlichen Reaktionen genau so (ungern) nachvollziehen wie der Klaustrophobiker, der in der rappelvollen U-Bahn dicht an dicht gedrängt den knoblaucherfüllten Atem des Interims-Stehnachbars zu inhalieren hat. Acht Stationen lang.

Was dieser Ekel mit Kindern zu tun hat? Gar nix. Erstmal. Ganz im Gegenteil.

Wenn wir an Kinder denken, besonders wenn wir an Babies denken, dann denken wir als liebende Eltern gern an die schönen Momente zurück, bei denen uns dieser wohlig-warme Neugeborenen-Duft umnebelte. Wo Auto-Nerds an Ledersitzen und Armaturen schnüffeln, halten Eltern ihre Riechkolben unheimlich gern an Baby’s Haut. Beschreiben lässt sich dieser Duft nur sehr schwer, weil er naturgemäß sehr individuell ist. Besonders in den ersten Lebenstagen. Wo jeder Auto-Schrauber beim Stichwort Babyschmiere (oder auch Käseschmiere genannt) unweigerlich an den nächsten Ölwechsel denken wird, staunen Eltern neugeborener Steuerzahler über den natürlichen Fettgehalt der Babyhaut. Was die Natur alles von sich aus regelt! Schon genial.

Relativ zügig nach den ersten glückseligen Tagen und Wochen nach Ankunft der Storchenfracht bekommt die Li-La-Laune-Babyduftwolke erste Risse. Denn wo etwas reingestopft wird (in den nimmersatten Mund), muss bekanntlich auch irgendwo anders wieder etwas rauskommen. Und ja, es stimmt: Eltern von Babies und Kleinkindern haben ein Lieblingsthema, über das sie teilweise stundenlang referieren oder mit anderen diskutieren. Stuhlgang. Was sonst in der Gesellschaft ein so delikates Thema ist, dass man nicht einmal seinem Gastroenterologen davon berichten möchte, ist in Elternkreisen der „heißeste Scheiss“ überhaupt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dass es hierfür sogar Ratgeber mit Bildbeschreibungen gibt, überrascht einen auch nicht mehr. Vielen Dank auf jeden Fall an die folgenden Baby-Fotomodels für die faszinierenden Einblicke, die ihr uns gewährt.

So, wer jetzt noch nur Spucke im Mund hat, den kann wohl so schnell nichts aus der Bahn bringen. Ich betone immer wieder, wie schade es doch ist, dass Gerüche online noch nicht übertragbar sind. Im Gegensatz zu Gerüchten.

Ich möchte mich aber auch gar nicht zuuu lange mit rektalen Auswürfen beschäftigen, da es durch die Erfindung der Babywindel ja zumeist bei kleineren Fauxpas‘ in den ersten Lebensjahren bleibt. Die relativ schnell bereinigt werden können. Das sieht bei oralen Auswürfen gaaaaaaanz anders aus.

Speikinder sind Gedeihkinder

Zugegebenermaßen: Ich habe keine Ahnung, was dieses dämliche „Speikinder sind Gedeihkinder“-Sprichwort eigentlich bedeuten soll. Da bin ich ganz ehrlich. Habe ich nie verstanden, auch nicht nach drei Kindern. Entwickeln sich alle Babies wirklich so prächtig, wenn sie nur genug von Mamas Milch wieder an die frische Luft abgeben? Und was sollen Eltern davon halten, wenn ihre Babies einfach pünktlich aufhören mit dem Trinken, wenn sie satt sind und sich nicht gierig um Sinn und Verstand saugen? Sollten sich diese Eltern wirklich Sorgen machen und ihr Kind schon im zarten Alter von sechs Monaten vorsorglich für Förderschule und Nachhilfe anmelden?

Wenn man eine Fähigkeit erlernt im Laufe der ersten Elternjahre, dann ist es in der Regel der artgerechte Umgang mit Erbrochenem. Ist es denn Zufall, dass die deutsche Sprache für die zugrundeliegende Tätigkeit so viele unterschiedliche Wörter und Variationen kennt? Spucken, speien, (er)brechen, sich übergeben, kotzen, reihern. Um nur einige zu nennen. Für die gebildete Kaste ergänze ich noch „vomieren“. So, jetzt sind wir im Thema angekommen.

Das gebrochene Kind

Ich erinnere mich an dieser Stelle gern sehr ungern an meine Kindheit und meine ersten Erfahrungen im Umgang mit der Autorückbank des elterlichen PKWs. Der, der hinten keine Türen hatte. Und dementsprechend auch keine zu öffnenden Fenster besaß. Da hing ich nun mit meiner Reisekrankheit, zwischen Beifahrerkopfstütze und spaltweise geöffnetem Beifahrer-Seitenfenster und japste nach Luft. Wohlwissend, dass ich noch so viel frische Luft inhalieren könne, ohne dass der Tornado im Magen davon hätte besänftigt werden können.

Wenn man als Kind mit Reisekrankheit in den Urlaub fährt, hat man nicht nur selbst etwas davon, sondern meist die ganze Familie. Wäre doch ätzend langweilig, so eine achteinhalbstündige Auto(-bahn)fahrt. Das muss man doch irgendwie zeitlich auflockern können, dachte ich mir wohl in jungen Jahren. Mehrere in kurzer Abfolge auftretende Rastplatzaufenthalte vor bzw. nach dem Vomieren machen aus einer schnöden Auto(-bahn)fahrt eine richtige Schnitzeljagd: „Haben wir eigentlich noch mehr Wechselklamotten im Kofferraum, ohne dass wir alle anderen Klamotten einmal rausholen müssen? Nein? Dann halt ohne T-Shirt. Ist ja Sommer. Und haben wir noch Tüten? Auch welche ohne Löcher?“

Das war echt eine harte Zeit damals. Das Blatt wendete sich erst komplett zum Guten an dem Tag, an dem ich vorne links im Auto Platz nehmen durfte. Was eine andere Perspektive doch ausmachen kann! Leider werden die Anlagen für die Reisekrankheit anscheinend mit den Genen an die nächste Generation weitergeben. Zum Kotzen ist das.

Mit der Geburt meines ersten Kindes hat sich in mir eine Entwicklung Bahn gebrochen, die genauso erstaunlich wie auch widerlich ist: Es gibt nix mehr, vor dem du dich ekelst. Wirklich nicht:

Auch wenn du gefühlt knöcheltief durch Erbrochenes watest – der eigene Magen nimmt das überhaupt nicht mehr wahr. Was Magen-Darm in der Wort-Kombination tatsächlich bedeutet, wird einem erst so richtig bewusst, wenn die eigene Kinderschar damit konfrontiert ist. So wie neulich.

Eine Brechgödie in drei Akten

Da freut man sich auf ein paar Tage mit den Kindern bei den Großeltern, ein bisschen Erholung und Abwechslung vom Daily Rumble. Doch dann erfüllt plötzlich ein traurig-erschreckendes Wimmern die dunkle Willkommens-Nacht. Aus dem Nichts. Kann viele Gründe haben. Im ersten Moment denkst du: Da hat nur jemand schlecht geträumt. Aber wenig später, nämlich als sich der erste Schwall kindlichen Magen Contents den Weg an die stickige Luft bahnt, ist die Hoffnung auf eine Nacht, die zumindest im Entferntesten etwas mit einer schlafenden Tätigkeit (nicht zu verwechseln mit dem Beamten-Büroschlaf) zu tun haben sollte, passé. Knapp zwei Stunden Würgen, Spucken, Aufwischen, Waschen, Umziehen, Trösten, Kuscheln, Kopf halten, erneut Würgen, Spucken, Aufwischen, Waschen, Umziehen später ist der Spuk vorbei. Denkste.

Was der eine Zwilling kann, beherrscht der andere doch noch mindestens genau so gut. Aus der theoretischen Annahme wird sehr schnell breiige Realität. Kommando zurück, alles noch mal von vorn bitte schön. Die Nacht verfliegt im Nu. Kurz bevor die Sonne aufgehen soll, fallen die letzten Paar Äuglein zu, um sich eine erste Erholungspause zu gönnen. Bevor in ein paar Stunden Teil 2 des dynamischen Duos „Magen & Darm“ in Erscheinung tritt.

Aber auch das wird nur eine von vielen vorübergehenden Episoden sein. Denn dass eine Nacht später auch Kind 3 rumspu(c)kt, überrascht nun nicht wirklich. Leid tun einem die Kleinen aber umso mehr. Während tröpfchenweise nur noch Galle das Innere des geschundenen Leibes verlässt, sitzt man selbst daneben wie ein zweites Häufchen Elend und versucht dennoch paniklos Trost, Mut und Hilfe zu spenden. Und meist gelingt es dir auch.

Wie widerlich, bäääh, e-ke-lig, schreien manche jetzt sicher allein bei der Vorstellung. Wäre mir vor ein paar Jahren nicht anders gegangen. Inzwischen aber meistere ich eine solche Situation, ohne dass ich selbst einen Kloß im Hals verspüre. Weil ich in dieser Situation für mein Kind stark sein muss. Weil ich es beschützen muss. Weil das mein Job ist. Weil es mein Kind ist. Weil es ein Teil von mir ist. Weil ich es gern mache.

Fazit

Gebrochen wird überall mal. In der Schule die Zahlen, beim Fußball das Wadenbein, das Ehe-Gelübde beim Seitensprung und mit guten alten Traditionen heutzutage eh fast unentwegt. Und auch wenn es zusätzlich noch ganz übel werden sollte, sei immer wieder betont: Auch Morgen geht die Sonne wieder auf – und ein neuer Tag bricht an. Nicht zuletzt war es Bertolt Brecht himself, der uns mitnichten mit gebrochenem Deutsch mit auf den Weg gab:

„Beharre nicht auf der Welle
die sich an deinem Fuß bricht, solange er
im Wasser steht, werden sich
neue Wellen an ihm brechen.“

Denkt da mal drüber nach!


Image Source: https://pixabay.com/de/photos/k%C3%BCrbis-halloween-%C3%BCbelkeit-schlecht-3630614/






Der Beitrag Was dich (nicht) ankotzt, macht dich nur härter erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
https://www.papasrabauken.de/2019/03/09/was-dich-nicht-ankotzt-macht-dich-nur-haerter/feed/ 0
Die Top 5 Verhaltensweisen, an denen du erkennst, dass sich deine Kinder gegenseitig zumindest mögen https://www.papasrabauken.de/2018/05/23/die-top-5-verhaltensweisen-an-denen-du-erkennst-dass-sich-deine-kinder-gegenseitig-zumindest-moegen/ https://www.papasrabauken.de/2018/05/23/die-top-5-verhaltensweisen-an-denen-du-erkennst-dass-sich-deine-kinder-gegenseitig-zumindest-moegen/#respond Tue, 22 May 2018 22:46:50 +0000 https://www.papasrabauken.de/?p=294 Es ist Mai, die Sonne brennt fast schon senkrecht vom Himmel auf das karge Land Peter Tschentschers herunter. Das Thermometer auf dem Balkon verspricht wonnige 51° Celsius. Da kommt fast Urlaubsfeeling auf. Obwohl, so richtig war mir in letzter Zeit nicht nach Urlaub zumute. Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Vier Monate sind … Die Top 5 Verhaltensweisen, an denen du erkennst, dass sich deine Kinder gegenseitig zumindest mögen weiterlesen

Der Beitrag Die Top 5 Verhaltensweisen, an denen du erkennst, dass sich deine Kinder gegenseitig zumindest mögen erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
Es ist Mai, die Sonne brennt fast schon senkrecht vom Himmel auf das karge Land Peter Tschentschers herunter. Das Thermometer auf dem Balkon verspricht wonnige 51° Celsius. Da kommt fast Urlaubsfeeling auf. Obwohl, so richtig war mir in letzter Zeit nicht nach Urlaub zumute. Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Vier Monate sind vergangen. Vier lange Monate.

Ende Januar lag noch Schnee, minus fuffzehn Grad. Wieso kann man bei Eiseskälte draußen drinnen nicht bloggen? Der gemeine Leser könnte meinen, es sei jemand verstorben. Oder zumindest jemand schwer erkrankt. Oder man hat die Rechnung vom Provider nicht mehr begleichen können. Oder oder oder. Glücklicherweise nichts von alledem. Zum Ende des Winters, wenn sich erstmals in deinem Leben Bakterienkolonien aus Kindergärten mit Bakterienkolonien aus Kinderkrippen und Virenstämmen aus Tagesmüttergruppen symbiotisch vereinen, macht das Leben einfach keinen Spaß mehr. Wenn sich diese miese fiese Symbiose aus Krankheitserregern wie beim Flaschendrehen reihum an alle Familienmitglieder heftet und nicht locker lässt bis auch das letzte Antibiotikum aufgebraucht, das letzte Schnupfenspray sich in Luft aufgelöst und das finale fiebersenkende Zäpfchen den Weg in die Untiefen des kindlichen Verdauungstraktes gefunden hat, dann, ja dann weiß man, dass es für einen Chief Family Officer wichtigere Aufgaben gibt als sich medial über die Rotznasen auszulassen. Zumal ich das ja bereits schon einmal getan habe.

Aber das haben wir jetzt hinter uns gelassen. Und daher starten wir heute endlich wieder mit einer weiteren Episode aus dem nicht enden wollenden Repertoire an unglaublich erschreckenden Anekdoten, die das Vatersein tagtäglich für einen bereit hält. Heute befassen wir uns ausführlich und wie immer wissenschaftlich unfundiert mit der Thematik Geschwister.

Geschwister. Die Geschwister. Und: das Geschwister. Steht so im Duden. Das Geschwister. Singular, Nominativ. Es war mir bis heute nicht bewusst, dass es das Wort nicht nur im Plural gibt. Auch wenn Sprachguru Bastian Sick das Gegenteil behauptet. Der Duden lügt nie. Das Geschwister. Dann muss es auch einen Genitiv geben á la „Du darfst die Spielzeuge des Geschwisters nicht kaputt machen“. Und einen Dativ wie „Du darfst dem Geschwister nicht mit der flachen Hand auf den Kopf schlagen.“ Wenn es ein Wort gibt, dass ich in fast vier Jahrzehnten eigenen deutschen Sprachgebrauchs bislang nie auch nur ein Mal benutzt hatte, ist es „Geschwister“ im Singular.

Wobei, eigentlich irgendwie doch, in der Verniedlichungsform mit dem süßen „chen“ im Abgang. Also der Diminutiv. Wieder was gelernt. Das Geschwisterchen. Ja, das klingt nach Sprachkunst, nach Poesie, putzig, süß, zum Knuddeln. Aber es mutet schon interessant an, dass es ein Wort ausschließlich in der Verniedlichungsform in die Münder unserer Mitmenschen schafft. Achtung, Theorie: Kommt es womöglich daher, weil das Geschwister nur sooo überhaupt zu ertragen ist?!

Geschwister – Fluch und Segen auf all deinen Wegen

Geschwister. Uih, bei dem Thema kommt bei Vielen so richtig Freude auf. Egal ob im Singular oder Plural. Nicht nur, wenn man eigene Kinder hat, sondern auch wenn man selbst mit Geschwistern gesegnet ist – oder bestraft. Je nachdem, ob man das Glas halbvoll findet oder halbleer – bevor man das Weizenbier auf seine letzte Reise schickt – kann man da durchaus geteilter Meinung sein, basierend auf den unzähligen Erfahrungen, die man im Laufe der Jahre so gemacht hat.

Aber gehen wir am besten mal chronologisch vor. Erste Geschwister ever und überhaupt? Türlich, Kain und Abel. Steht es nicht irgendwie sinnbildlich für meine Theorie, wenn ausgerechnet der Prototyp des Geschwisters dem anderen die Rübe einschlägt? Was ist denn das für eine fehlgeleitete Vorbildfunktion, wer hat sich sowas ausgedacht? Und dann war da ja noch der Set. Ja, der gute Set wird oft vergessen, wenn Pseudointellektuelle aus der Genesis palavern. Vergessen wie auch z.B. Michael Collins, der bei der Fake-Mondlandung keine Fake-Sprünge machen durfte wie Neil Armstrong und Buzz Aldrin, sondern in der Fake-Kapsel drumherum fliegend die Stellung halten musste. Nun gut, die drei waren keine Brüder, aber man ahnt bereits, worauf ich hinaus will. Set war Nachzügler und zugleich Abel-Ersatz, weil der da halt schon tot war. Was ihm wohl Adam und Eva auf seine Frage, ob er denn auch ein Wunschkind gewesen sei, geantwortet haben? Wie muss sich der Arme gefühlt haben wohlwissentlich, dass sein einziger lebender Bruder der Mörder seines einzigen getöteten Bruders ist? Und das zu einer Zeit, als die Kriminalitätsrate erdumfassend noch verschwindend gering war, da es weder libanesische noch kasachische Familienclans gab?

Wie auch immer Set das verarbeiten konnte, wissen wir nicht. Was wir alle, die Geschwister haben, an Positivem wie auch Negativem berichten können über das Geschwistersein, wissen wir sehr wohl. Wenn man Zwillinge erwartet oder Kinder mit nur geringem Altersunterschied hat, ist mit das Erste, was einem beim Gedanken an den Nachwuchs in den Sinn kommt, die folgende Aussicht: „Die Beiden werden zum Glück nie allein sein und immer den anderen an seiner/ihrer Seite haben.“ Nach zwei Jahren Praxistest frage ich mich stattdessen: „Wollen die das eigentlich auch selbst bzw. mögen die sich überhaupt im Ansatz?“ Damit Ihr Euch darüber keine Sorgen machen müsst, habe ich Euch die 5 wichtigsten Verhaltensweisen, an denen Ihr merkt, dass sich Eure Kinder gegenseitig mögen (von Liebe wollen wir nicht gleich sprechen), mal ratzfatz zusammengefasst.

1. Essen klauen

Der Streit um die letzte verbliebene Gurkenscheibe (oder manchmal auch alle Gurkenscheiben) auf dem Tisch, das letzte Stück Wurst (oder die ganze 500g-Salami) auf dem Teller wird unter Geschwistern teilweise ausgefochten wie der Kampf um den Schwergewichtstitel im Profi-Boxen. Taktik, Kraft, Geschwindigkeit und Geschrei spielen dabei die Hauptrollen. Doch wer denkt, dass es hier um Neid, Missgunst oder andere negative Charaktereigenschaften geht, der irrt. Man möchte dem anderen schließlich nur ersparen, so fett zu werden, dass man später keine Karriere als Hollister-Verkäufer starten oder bei Heidi Klum von vornherein außen vor ist, wenn Magerwahn auf Hirnbulemie trifft. „Schade, du bekommst kein Futter-Foto.“ Wohl dem, der ein Geschwister hat, das die Reste futtert.

2. An den Haaren ziehen

„Das ist doch an den Haaren herbeigezogen.“ Eine aberwitzige Theorie, dass ausgerechnet Haare ziehen ein Zeichen von Zuneigung bedeuten soll! Aber habt Ihr Euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was Eure Haarfollikel davon halten? Das ist für selbige nämlich die reinste Wonne. Endlich testet mal jemand, ob Haar, Wurzel, Talg und was da sonst noch so rumwuchert, feste zusammengehören; die Durchblutung der Kopfhaut wird gefördert, sodass Eure Gören und Buben später auf Syoss, L’Oreal, Alpecin und Co. verzichten können. Außer sie sind durch Euch genetisch vorbelastet, Pech gehabt.

3. Schubsen

Wer denkt, dass das Schubsen unter Geschwistern ein Ausdruck von Abneigung oder gar abgrundtiefem Hass ist, der irrt gewaltig. Schubsen stellt unter Geschwistern lediglich das Testen eines physikalischen Verhaltens, nämlich des ruckartigen Beschleunigens dar, es ist nicht anderes als eine zusätzliche Schubkraft, um den Körper des Geschwisterchens ohne eigenen Kraftaufwand schnell von Punkt A zu Punkt B zu befördern. Punkt A steht hierbei für eine beliebige Koordinate im Kinderzimmer, Wohnzimmer, in der Küche oder dem Garten. Punkt B dagegen wird häufig durch einen festen Gegenstand beschrieben, wie beispielsweise die spitze Ecke einer Schrankwand, die scharfe Kante eines Tisches oder Bordsteines, eine blasse Betonwand sowie in Ausnahmefällen auch ein Gegenstand in festflüssigem Aggregatzustand wie ein Haufen Hundekot, der dankenswerter Weise am Wegesrand auf zahlreiche minderjährige Besucher wartet. Man verkennt jedoch dabei oft, dass das eigentliche Ziel des Vorgangs nicht das Erreichen von Punkt B, sondern der Weg als solcher ist. Das Gefühl der Beschleunigung des eigenen Körpers bis nahe Lichtgeschwindigkeit erleben die Geschwister vermutlich erst wieder in anderthalb Jahrzehnten beim Kauf des ersten Porsche, natürlich ein sauberer Diesel. Wer auf dem Führerscheinfoto noch mit allen Schneidezähnen grinsen kann, hat das Autofahren eigentlich gar nicht verdient, oder hatte zum Glück laaaange seine Milchzähne.

4. In die Augen kneifen

Okay, zugegeben, das erfordert schon ein wenig Fantasie. Aber bevor man selbst keine Kinder hat, sollte man nichts für unmöglich erachten. Man glaubt ja auch nicht, dass so winzige Menschen wie Babies ein Fünftel ihres Körpergewichts an organischen Abfällen in einer einzigen Windel für die Nachwelt hinterlegen können. Wenn man das mal hochrechnet auf einen Erwachsenen…

Wie dem auch sei. Auch das Kneifen, gern beidseitig, in die Augen des gegenüberliegenden, -sitzenden, -stehenden und dabei gern schlafenden Geschwisterchens stellt wohl eine der am häufigsten verwendeten Formen des Zeigens von Zuneigung dar. Dabei gibt es jedoch geschlechterspezifische Unterschiede:

Bei den Damen können somit schon früh Smokey Eyes in allen Variationen getestet werden. Klassisch oder dezent, mit viel oder wenig „Rauch“. Bei den Herren dagegen stehen blau oder schwarz schimmernde Augenpartien inzwischen für mehr als nur den blutigen Kampf zwischen bis Oberkante Unterlippe testosteronbefüllter Jungs. Man kann hier später im Leben relativ einfach auf Überarbeitung nach 15-Stunden-Tag im Büro oder Ganztags-Schichten im Krankenhaus plädieren. Im Zweifel für den Angeklagten, ähh Arbeitnehmer. So lernt das Geschwisterchen schon früh den Umgang mit dem fehlenden Mitleid anderer zur eigenen beruflichen Situation zu ertragen.

5. Erdrücken – bis zum Ersticken ausbaufähig

False friends sind Euch noch ein Begriff, oder? Gift, zum Beispiel. Bringt man doch immer gern mit, wenn man irgendwo eingeladen ist. Mindestens aber an Weihnachten. Auch das Erdrücken ist ein typischer false friend. Es ist damit explizit nicht gemeint, jemanden durch ein Übermaß sehr stark zu belasten [und in der Existenz zu gefährden], sondern beschreibt lediglich das durch sehr starke „Überfreudung“ geprägte Symbol des Umarmens. Niemand sollte sich daher ernstzunehmende Sorgen um den Nachwuchs machen, wenn dieser nach zweiminütigem Ringkampf mit dem Geschwister blau angelaufen nach Luft schnappt. Es spiegelt hier eindeutig nur den Willen des Kindes wider, das Geschwisterchen so nah wie möglich bei sich zu wähnen – und es am Besten nie wieder loszulassen. Getreu dem Motto „sie werden nie allein sein und immer den anderen an ihrer Seite haben, ein ganzes Leben lang.“ In diesem Sinne, auf die kommenden 80+ Jahre!

PS. Wir übernehmen keinerlei Garantie für die Interpretation ähnlicher Verhaltensweisen Eurer Kinder. Das müsst Ihr schon selbst rausfinden.

Image Source: https://www.freestock.com/free-photos/brotherly-love-two-boys-1730194

 

 

 

Der Beitrag Die Top 5 Verhaltensweisen, an denen du erkennst, dass sich deine Kinder gegenseitig zumindest mögen erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
https://www.papasrabauken.de/2018/05/23/die-top-5-verhaltensweisen-an-denen-du-erkennst-dass-sich-deine-kinder-gegenseitig-zumindest-moegen/feed/ 0
Wenn das Fleisch schwach und der Wille noch schwächer ist – Teil 1 https://www.papasrabauken.de/2017/11/25/wenn-das-fleisch-schwach-und-der-wille-noch-schwaecher-ist-teil-1/ https://www.papasrabauken.de/2017/11/25/wenn-das-fleisch-schwach-und-der-wille-noch-schwaecher-ist-teil-1/#respond Sat, 25 Nov 2017 16:45:19 +0000 https://www.papasrabauken.de/?p=212 Heute werde ich mir keine Freunde machen. Fakt. Manchmal weiß man das schon vorher, wenn man gewisse Themen beleuchtet, die in dem, was wir heutzutage Gesellschaft nennen, verpöhnt sind. Keine neuen Freunde also. Accepted. Freundschaften sind eh überwertet. Zumindest die bei Facebook, und Twitter, und Instagram. Aber bei Letztgenannten sind es ja auch keine Freunde … Wenn das Fleisch schwach und der Wille noch schwächer ist – Teil 1 weiterlesen

Der Beitrag Wenn das Fleisch schwach und der Wille noch schwächer ist – Teil 1 erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
Heute werde ich mir keine Freunde machen. Fakt. Manchmal weiß man das schon vorher, wenn man gewisse Themen beleuchtet, die in dem, was wir heutzutage Gesellschaft nennen, verpöhnt sind. Keine neuen Freunde also. Accepted. Freundschaften sind eh überwertet. Zumindest die bei Facebook, und Twitter, und Instagram. Aber bei Letztgenannten sind es ja auch keine Freunde mehr, sondern „nur“ Follower. Also wortwörtlich jemand, der einem folgt. Jeden Tag, jede Stunde, bei jeder Aktivität. Im echten Leben nennt man sie Stalker. Komisch, dieses Internet. Neuland halt – zumindest für die Meisten unter uns.

Egal, ob nun Freund, Follower oder Stalker, ich werde heute höchstwahrscheinlich auch ein paar meiner Leser verlieren, vor allem männliche. Zum Glück habe ich erst so wenige, dass das niemanden juckt oder gar ein Shitstorm daraus erwachsen könnte. Kein Shitstorm also. Den hatte ich buchstäblich im letzten Jahr, wo wir zuhause 5.800 Windeln gewechselt haben. So über den Daumen gepeilt. Nicht alle ich höchstpersönlich, sondern alle Helfer gemeinsam. Fünf Tausend und acht Hundert. Wenn man 5.800 Windeln der Größen 1 bis 4 auseinandergefaltet aneinanderlegt, ergibt das eine Strecke von ungefähr 1,8 Kilometern. Seid ihr mal eine 1,8 Kilometer lange, mit Exkrementen bepflasterte Strecke entlang marschiert? Den Gestank muss man sich natürlich dazu denken. Sooooo viel zu echten Shitstorms! Vor denen man aber im Vergleich zu den digitalen Consorten gar keine Angst haben muss.

Angst. Noch so ein Unding. Über Ängste spricht man ja eigentlich nicht. Nicht in der Öffentlichkeit, nicht im Büro, teilweise auch nicht mal im eigenen Wohnzimmer. Und wenn doch? Was sagt es über jemanden aus, der zugibt, Ängste zu haben? Unsere heutige Gesellschaft hat diesbezüglich sehr fix die passende Antwort parat: Wer Angst hat, ist schwach und angreifbar. Nur die Harten kommen in den Garten. Wer Angst hat, verliert. Angsthase.

Wenn du das erste Mal ein Kind erwartest, wirst auch du eine Angst empfinden. Eine besondere Angst, eine Angst, die du nie zuvor erlebt hast. Sie fühlt sich anders an als die Ängste, die du kennst. Anders als die Angst vor dem vollen Fahrstuhl auf dem Weg ins Büro. Anders als die Angst, deinen Job zu verlieren. Anders als die Angst, dass du jeden verdammten Tag älter wirst und irgendetwas verpassen könntest in deinem Leben. Anders, als die Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden. Anders als die Angst vor dem Tod: Angst vor neuem Leben. Jenem Leben, dass sich als blinkend piependes Pixel auf dem Ultraschallbild den Weg in dein eigenes Leben bahnt. Leben mit knapp zehn Monaten Anlauf. Manchmal auch weniger. Angst vor Leben. Wie pervers die Welt doch ist. Geworden ist.

Warum Familie, geht doch auch ohne, oder?

In den guten alten Zeiten, als Kinder noch am Fließband produziert und geboren wurden – acht, zehn oder auch mal zwölf pro Hof und Haushalt – gab es diese Angst noch nicht. Eins geht noch. An dieser Stelle sei eine Episode aus Monty Phytons „Der Sinn des Lebens“ als grandios inszeniertes Paradebeispiel erwähnt. The more the better. Heute gilt das vielleicht noch für Handtaschen und Schuhe. Und Apple Devices. Eins mehr geht immer noch.

Neulich fragte mich ein ehemaliger bester Freund, mit dem ich in Jugendtagen durch dick und dünn gegangen bin, wie ich es denn schaffe, meine Ängste in Bezug auf meine Kinder zu bewältigen. Er selbst habe zuviel Angst vor der Verantwortung, zuviel Angst davor, sein Leben jemandem zu widmen und auf jemanden auszurichten, der nicht er selbst ist. Du egoistisches Arschloch, schoss es mir durch den Kopf. Das ‚ehemaliger‘ hast du dir damit redlich verdient. Wochen später sehe ich das zugegebenermaßen ein wenig differenzierter:

Ist jemand, der die Gründung einer Familie bzw. eines ähnlich gearteten Zweckbündnisses (dieses grässliche Ding namens Liebe mal außen vor gelassen) von vornherein ausschließt, ein schlechterer Mensch als jemand, der es wagt und dann aber womöglich scheitert? Woran auch immer. Ist er Egoist, Angsthase oder gar der Antichrist? Liegt es nicht in der Natur des Menschen sich fortzupflanzen oder zumindest etwas Einzigartiges an die nächste Generation weiterzugeben? Kann man davor Angst haben?

Als Unfruchtbarer unter den Fruchtbaren

Okay, Angst vor bereits vorhandenem neuen Leben, ja, das kannte ich schon. Die Tatsache, dass du mit deiner besseren Hälfte als einziges Pärchen in deinem innersten Freundeskreis (noch) KEIN Kind hast, ist wahrlich kein beneidenswerter Zustand. Da hilft es auch nicht, dass du gerade erst 30 geworden bist. Dreißig! Also quasi kurz nach Abitur und Studium, mitten in der Blüte deines Lebens. In der Zeit, in der du locker flockig 60 Stunden die Woche im Büro abreißen kannst. Jetzt schon Papa werden? Nein, das hat jetzt aber echt noch Zeit. Und überhaupt, wir wollten doch nächstes Jahr noch mal auf die Kanaren. Die bereits bekinderten Freunde kennen dagegen keine Gnade. Die Frage nach dem „wann ist es denn bei euch endlich soweit?“ hallt dir jedes Mal so nachhaltig im Kopf wie eine unnötige Wurzelbehandlung. Auch dieses Gefühl lässt sich aber noch steigern. Dieses dich innerlich zerrupfende Erlebnis, ohne eigenes Kind auf einer Geburtstagsparty einer Zweijährigen eingeladen zu sein – inmitten von acht Familien mit kumulierten 16 Rotzfressern – sollte man wahrlich nicht unterschätzen. Jetzt nur das Briefing befolgen: Nicht böse gucken, wenn einem der zehnmonatige haarlose Balg sein letztes und das vorletzte Essen vor die Füße spuckt. Oder dieses penetrante Kreischen der hyperaktiven fünfjährigen offensichtlich Schwererziehbaren, die seit zehn Minuten mit den Holzclogs über das Parkett stampft, jämmerlich unterbrochen durch den stupiden Hinweis der Mutter, dass man doch auch leiser Krach machen kann. Aber wenn sie doch so einen Spaß dabei hat?! Kann man dem Kind böse sein? Man kann. Die Spitze des Schreckens-Eisberges erklimme ich, als ich dieses eine, andere, fremde Kind tatsächlich anfassen soll. „Nimm ihn doch mal hoch, auf deinen Arm, brauchst keine Angst zu haben, du tust ihm nicht weh. Er schläft ja ganz tief und fest. Mädels, schaut mal, wie er ihn hält, er hat schon drei Minuten nicht geatmet, hahahaha.“

Ich fühle mich sichtlich deplatziert in dieser Umgebung. Aus evolutionstechnischen Gründen behaupte ich mal, dass es mir dabei als Mann noch viiiiiiel schlimmer ergeht als meiner Frau. Minuten werden zu Stunden, Spucke zu Brei, dreistellige Dezibel addieren sich zu einer ausgewachsenen Migräne. Zum Glück ist die Party 18 Uhr zu Ende. Das einzig Gute an einer Kindergeburtstagsparty: Die Kleinen müssen früher ins Bett als ich. Nie wieder, denke ich.

Das klappt nicht wirklich, muss ich später erkennen. Denn es gibt Murphy. Ob es Gott gibt, daran zweifle ich manchmal. Aber Murphy, den gibt es. Murphy. Nicht der Eddie. Sondern Law. Nicht Jude. Murphy’s Law! Wenn du Scheiße am Fuß hast, hast du Scheiße am Fuß. Dann gibt es diese Geburtstage nämlich zukünftig erst quartalsweise, dann monatlich. Ich suche einen Ausweg. Also vielleicht doch ein eigenes Kind? Sich anpassen. Wie das Chamäleon. Die Umgebung adaptieren, um einen Teil derselben darzustellen.

Entscheide dich endlich, du Depp

Ich kann Euch nicht sagen, wann genau man sich nach dem wievielten Hefeweizen mit Rum-Spülung entscheidet, eine Familie zu gründen. Manchmal geschieht es sicherlich auch unbewusst – oder unverhütet. Wenn man sich jedoch bewusst zu diesem Schritt entscheidet, gibt es vermutlich auch einen Grund dafür. Oder eine Rechtfertigung.

In den letzten Jahren, glaube ich, einige dieser Gründe erkannt zu haben:

1. Stolz auf eine Buchstabenkombination

Der Stammhalter-Grund steht ganz oben auf der Liste. Es muss einfach jemanden geben, der diesen verdammten Stammbaum weiterführt. Also ganz klar einen Sohn. Mit dem kann man außerdem Fußball spielen, kampeln, später auch mal den einen oder anderen Schnaps wegknallen. So ein richtig cooler Junge halt. Wie man selber einer war. Frauenheld und mit ner großen Fresse. Ganz wichtig ist aber, dass er später den altehrwürdigen Familiennamen weitergibt an seine Kinder. Man kennt zwar niemanden mehr ab der dritten Generation vor einem, aber die hießen auch schon Müller, Schmidt, Meier, Haselsbacher, Grünkopf – was auch immer. So einen will ich, der meinen Familiennamen die nächsten Generationen weitergibt, wo muss ich unterschreiben? Ich frage mich immer, was in diesen Familien mit den erstgeborenen Töchtern passiert?!

2. Zehn Extrapunkte für den Lebenslauf

Jeder kennt das. Irgendwann hat jeder in seinem Leben einmal eine Bewerbung geschrieben. Auch die ganz Dummen, sogar die ganz Intelligenten mussten das. In der allerersten stand ganz sicher bei fast Jedem in der Zeile Familienstand: ledig. Um sich gänzlich abzusichern beim neuen potentiellen Arbeitgeber: ledig, ohne Kinder. Der Job war dir so gut wie sicher, wenn du dich nicht völlig spackig angestellt hast.

Zehn Jahr später. Weil du noch immer nicht die Frau deines Lebens kennen- und liebengelernt hast,  hängt dir das „ledig“ in der Bewerbung inzwischen wie ein Kropf am Hals. Anfang 30, anscheinend immer noch ohne soziale Bindung. Irgendwas stimmt mit dem nicht. Psychopath.

Wie gut, dass du schon Kinder hast. Als unverheirateter Langzeitpartner, aber mit zwei Kindern, stehst du mitten im Leben und bist bereit für den nächsten Karriereschritt. Führungsqualitäten? Aber hallo, frag mal die Zweijährige, wer sich neulich den linken Schuh selbst anziehen musste. Durchsetzungsvermögen? Sogar nachts um drei vorm Kinderbett. Ekel? Grünen Schleim gibt’s nicht erst seit den Ghostbusters. Keine Frage also, den Teamleiter-Job, den hast du damit in der Tasche. Also ran an den Speck.

3. All you need is love!

Jetzt wird’s kitschig. Liebe. Auch in unserer heutigen kalten Welt voll von Eitelkeit, Egoismus und Selbstzerfleischung, gibt es Kinder, die aus Liebe entstanden sind. Weil zwei Menschen durch das eigen Fleisch und Blut einen zusätzlichen wahren Sinn im Zusammenleben sehen. Oder man merkt, dass das gemeinsame Leben leider noch eine riesige Lücke hinter sich herzieht, die täglich größer wird. Dann wird das Kind zum unbezahlbaren Schatz, der das Leben bereichert und das Glück vollendet. Ja, man muss schon echt viele Hugh Grant-Filme gesehen haben, um an wahre Liebe mit Kinderwunsch zu glauben. Aber verdammt noch mal, es gibt sie.

Gehen wir einmal dank leicht romantisch angehauchtem Gedankengut davon aus, dass statistisch vermutlich der überwiegende Teil der Kinder heutzutage aufgrund Letzterem das Licht der Welt erblickt. Was wäre das doch für eine Welt, in der Mütter und Väter ihre Kinder mit ein- und derselben Intensität und Leidenschaft bekommen und großziehen?!

Okay. Bekommen ist klasse. Kaum ein Papa, der nicht auf Instagram, Facebook & Co. Nabelschnüre durchtrennt, schreiend werdenden Müttern Hände, Köpfe oder Beine hält – obwohl einem von Letzterem wirklich von jeder Hebamme abgeraten wird. Da sind die meisten Papas echt klasse. Der Fels in der Brandung. Das Licht am Ende des Geburtstunnels. Aber was kommt danach?

To be continued…

Image Source: https://www.freestock.com/free-photos/dad-kissing-mums-belly-including-clipping-1709315

Der Beitrag Wenn das Fleisch schwach und der Wille noch schwächer ist – Teil 1 erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
https://www.papasrabauken.de/2017/11/25/wenn-das-fleisch-schwach-und-der-wille-noch-schwaecher-ist-teil-1/feed/ 0
Plötzlich beliebt oder warum mich jetzt alle Welt anlabert https://www.papasrabauken.de/2017/08/20/ploetzlich-beliebt/ https://www.papasrabauken.de/2017/08/20/ploetzlich-beliebt/#respond Sun, 20 Aug 2017 19:15:55 +0000 https://www.papasrabauken.de/?p=82 Wie ich neulich schon einmal vage andeutete, bin ich während des letzten Jahres, in dem neben unserem Thronfolger nun auch Zwillings-Prinzessinnen unser Leben bereichert haben, einem Phänomen auf die Spur gekommen, das sich mir bisher noch nicht vollends erschlossen hat. Müsste ich dem Dingens einen vorläufigen Namen geben, würde ich es das Mehrlings-Vater-Symphatie-Bonus-Mysterium nennen. Meine … Plötzlich beliebt oder warum mich jetzt alle Welt anlabert weiterlesen

Der Beitrag Plötzlich beliebt oder warum mich jetzt alle Welt anlabert erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
Wie ich neulich schon einmal vage andeutete, bin ich während des letzten Jahres, in dem neben unserem Thronfolger nun auch Zwillings-Prinzessinnen unser Leben bereichert haben, einem Phänomen auf die Spur gekommen, das sich mir bisher noch nicht vollends erschlossen hat. Müsste ich dem Dingens einen vorläufigen Namen geben, würde ich es das Mehrlings-Vater-Symphatie-Bonus-Mysterium nennen.

Meine Theorie lautet: Die Attraktivität eines Mannes im Sinne einer symphatisch-liebenswerten Wirkung auf den Otto-Normal-Mitbürger die eine unmittelbar danach startende Konversation mit sich führt sinkt mit einem Kind gen Null, explodiert dann aber geradezu, wenn man Vater von Zwillingen wird.

Fall 1: x = 1 Kind

Ach waren das noch Zeiten: Ein Kind. Ein Kind ist wie kein Kind, sobald man zwei hat. Oder drei. Dann sind zwei Kinder wie kein Kind. Nun gut, das ist eine andere Theorie. Seien wir mal ehrlich. Mit einem Kind wirkst du als Mann ungefähr so attraktiv und symphatisch wie ein feuchtes Stück Toastbrot. Glaubst du nicht? Der Unterschied zu „vorher“ ist jedenfalls nicht zu leugnen. Eben noch als Kinderloser täglich die Clubs und Bars deiner Hood unsicher gemacht, morgens trotzdem frisch geduscht und rasiert in deinen geleckten Nike-Tretern zur Arbeit geradelt. Dort bist du DER Swag schlechthin, der mit iPhone und Blendamed-Lächeln pausenlos ungefragt von deinen Hobbies Fitness und Shopping (als Mann?!) berichtest. Okay, ist nicht ganz fair. Es sind nicht alle Kinderlosen so oberflächlich. Aber jeder von uns kennt doch mindestens einen Vertreter aus dieser Fraktion und denkt gerade an ihn, oder?!

Wie auch immer. Auch wenn du keinen extrovertiert-ruinösen Mini-Arschloch-Lebensstil pflegst, erlebst du nach der Geburt deines ersten Kindes fulminante Veränderungen in deinem Leben. Da wäre zuerst der mangelnde und mehrfach unterbrochene nächtliche Schlaf, der dir Furchen unter die Augen gräbt, die tiefer sind als die moralischen Abgründe eines Donald Trumps. Aufgrund der als Folge daraus vermehrt auftretenden Unkonzentriertheiten tagsüber baust du auch auf Arbeit ab und an schon mal einen echten Bock, auch die inzwischen meist nur noch ungebügelten Karohemden lassen dich nur bedingt seriöser erscheinen. Und immer häufiger lässt du auch mal eine Rasur aus. Mit Kumpels triffst du dich nur noch, wenn dein Nachwuchs mal mit der Mama zur Oma flieht. Und das Schlimmste kommt erst noch. Du selbst bist trotz aller negativen Begleiterscheinungen zwar stolz wie Oskar auf dein eigen Fleisch und Blut, aber damit bist du auch der Einzige auf dieser Welt. Gehst du mit deinem einen Kind spazieren, nimmt dich so ziemlich niemand in der Öffentlichkeit wahr. Echt. Dafür gibt es einfach viel zu viele von diesen Einlings-Kindervätern. Anders als vor 20 Jahren, wo sich die Nachbarschaft noch das Schandmaul zerrissen hätte, wenn du als Papa vormittags allein mit dem Kinderwagen durch die Gegend semmelst, ist es heutzutage etwas völlig Banales. Austauschbar. Ätzend langweilige Normalität. Väter mit einem Kind im Wagen sind so außergewöhnlich wie stumpfes Geschirr aus dem Geschirrspüler. Gar nicht. Niemand nimmt in der Öffentlichkeit von dir Notiz, du bist nur ein Nichts, das ständig Sauerstoff verbrennt. Der Tiefpunkt deiner Attraktivität. Darunter gibt’s nichts mehr, außer die AfD vielleicht.

Fazit: Wenn du von der Gesellschaft eh die Schnauze voll hast und nichts von deinen Mitmenschen erwartest, dein kleines Häuschen im Grünen schon zur Hälfte abbezahlt hast und dir (d)eine Frau für die Ewigkeit ausreicht, dann solltest du ab jetzt immer verhüten. Oder gleich schnipp schnapp. Dann brauchst du nämlich kein zweites Kind mehr. Viel Spaß mit deinem Einzelkind. Amen.

Fall 2: x = 2 Kinder, kurz nacheinander geboren, auch als Zwillinge bekannt

Zwillinge generieren im Vergleich zu Einlingen für dich als Vater ungleich mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Das ist ganz einfach mal Fakt. Um das zu erkennen, brauchte ich mich nur ein Mal mit dem Zwillings-Kinderwagen vor die Tür wagen, nur ein einziges Mal.

Heute spielen wir wieder Zwillings-Bullshit-Fragen-Bingo

Rein statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt bei 1:85. Sprich, auf 85 Einlings-Kinderwagen schiebende Väter kommt EIN einen Zwillingskinderwagen schiebender Zwillingsvater – Drillinge oder gar noch andere Exoten-Mehrlinge lassen wir bei der Betrachtung mal außen vor (Euch nur verdammt viiiiiiiiiiel Glück und Puste gewünscht!!). Die Reaktionen, die ein mit Zwillingen besetzter Kinderwagen in der Öffentlichkeit hervorruft, sind tatsächlich außergewöhnlich. Von jeder Seite wirst du angequatscht. Egal wie zerknittert du auch ausschaust – nachdem du in der vorangegangen Nacht womöglich kaum ein Auge zugemacht hast – wildfremde Menschen sprechen dich an, überall. In der Mehrheit sind es Rentner und Frührentner, ganz selten einer U40. Eher Frauen als Männer. Meist mindestens gehobener Mittelstand statt Arbeiterschicht. Nachdem sie den sabbernden Nachwuchs mit einem süffisanten Lächeln von oben bis unten begutachtet haben, wird die folgende Konversation oft wie folgt dreisilbig eingeläutet: „Eineiig?“

Diese kurze Frage, die wohl jeder zwillingslose Mann irritierterweise nur mit einen kurzen Blick in die eigene Buxe beantworten könnte, ist einer der Klassiker schlechthin. Meist ein wenig enttäuscht wenn die Frage negiert wird, lässt es sich der gemeine Nachfrager aber natürlich nicht nehmen, ein „die sehen sich aber trotzdem ähnlich“ rauszuhauen. Jawoll, die Augen funktionieren also noch, trotz Hornhautverkrümmung und Grauem Star. Manchmal frage ich mich, ob es Leute gibt, die Eineiigkeit auch bei einer Mädel-Bub-Konstellation erfragen würden. Hmh. Biologie. Sechs. Setzen!

Keimende Hoffnungen und dunkle Abgründe

Ja, meist beginnt so eine Konversation tatsächlich etwas steif und hanseatisch kühl im Abgang. Wie ein schlechtes Date. Aber erstaunlicherweise erfahre ich, nachdem das erste zwischenmenschliche Eis gebrochen ist, dann doch ein Menge Wissenswertes und Interessantes aus dem Leben dieser Fremden:

Wie beispielsweise das Ruhestands-Ehepaar, das uns beim Bio-Bauernladen über den Weg läuft und das fünf (!) Töchter großgezogen hat. Okay, wahrlich kein Zuckerschlecken, arbeitet es in meinem Kopf. Da bin selbst ich auf einmal mucksmäuschenstill und lausche andächtig den Ausführungen, wie man mit fünf Mädels klarkommt. Respekt.

Ganz anders dagegen die Mitfünfzigerin, mit der wir im nicht wirklich wilden Wildgehege beim Besuch von süßen Rehkitzen und mächtig eingesauten Mini-Wildschwein-Frischlingen die Wege kreuzen. „Junge UND Mädchen?“, schallt es mir mit fester Stimme entgegen. „Nein, es sind tatsächlich zwei Mädels“, raune ich angepisst zurück und sehe mich schon beinahe dazu gezwungen meine Farb- und Baby-Kleidungswahl rechtfertigen zu müssen. Da trifft es mich gänzlich unvorbereitet, wie ein linker Haken von Mike Tyson: „Da haben Sie ja Glück, dass es Mädchen sind, die werden Sie dann ja im Alter gut pflegen.“ Ich gehe zu Boden, innerlich. Macht mich die Dame gerade zum Pflegefall? Wer wechselte eben noch gerade wessen Windeln? Für eine Zehntelsekunde schweifen meine Gedanken bei offenem Mund ab und ich ertappe mich dabei, wie ich vierzig Jahre überspringe und mich in einem großen Krankenbett liegen sehe, rechts und links meine Kinder, die mir den Sabber aus dem Gesicht wischen. Rechtzeitig bevor mich der Ringrichter ausgezählt hat, erwache ich aus dem Sekundenkoma. Mehr als ein „ich hoffe, die beiden haben bis dahin noch ein wenig Zeit“, kriege ich aber spontan nicht heraus. Oh man(n), bei den Presswehen welches meiner Kinder ist mir eigentlich meine Schlagfertigkeit abhanden gekommen? Nach dem ersten Schock versuche ich dann doch noch eine Lanze für die männliche Nachkommenschaft zu brechen und erwidere, dass es meines Erachtens auch viele Söhne gäbe, die sich um ihre alternden oder kranken Eltern kümmern. Die einen länger, die anderen nur für kurze Zeit. Intensiv und emotional belastend ist es aber vermutlich für alle.

Nun gut, sonderlich attraktiv scheint mich die Dame trotz der Zwillinge nicht zu finden, wenn sie mich schon vor ihrem inneren Auge als siechenden alten Knacker sieht. Aber immerhin sprach sie mich bezüglich eines Themas an, das sie vermutlich persönlich stark beschäftigt und das heutzutage in der Gesellschaft leider immer noch geflissentlich „übersehen“ wird, denke ich mir im Nachhinein. Zwillinge und ihre Väter regen also auch zur Diskussion sozialer und gesellschaftspolitischer Grundfragen an. Gern geschehen!

Das geographische Epizentrum der Fremd-Kontaktaufnahmen mit mir als Zwillingspapa liegt jedoch an einem anderen Ort als hier in der verlassenen Waldeinöde mit Wildschwein-Duft. Der Ort, an dem ich am Oftetetetesten angesprochen wurde, ist ganz unspektakulär… eine Drogerie. Während eines 15-minütigen Zwischenstopps dort kommt es vor, dass ich von bis zu fünf unterschiedlichen Personen angesprochen werde. Überall im Laden – ob ich nun vor den Bio-Müllsäcken stehe, die übrigens nach acht Tagen doch durchsuppen, die Damen-Hygiene-Abteilung wegen diesen Dingern mit den Flügeln inspiziere oder diverse Raumsprays teste, um endlich den betäubenden Volle-Windel-Duft aus den eigenen vier Wänden zu pusten – immer und überall kommen diese fremden Neugierigen, beugen sich trotz Hüftprothese gaaaanz tief über den Nachwuchs und die Süßholzraspelei beginnt: „Die sind aber wirklich süß. Und so artig. Schreien ja gar nicht.“ In diesen Momenten möchte ich gern die Uhr um 30 Minuten zurückdrehen, als mir die Mini-Nazis beim Anziehen auf der Nase rumtanzten. Oder ich erinnere mich kurz an den hysterischen Schreikrampf vom Frühstück, als ich mir erlaubte meine Mini-Gourmets ein wenig dafür zu kritisieren, dass ich das mit unendlich viel Liebe selbst zubereitete halbe Kilo Haferbrei zu neun Zehnteln vom Boden aufkratzen durfte statt es in den Mäulern der Kinder verschwinden zu sehen. Das glaubt mir in dem Moment niemand der Anwesenden, allen Bezeugungen zum Trotz. Sogar Beweisfotos werden nicht als solche anerkannt. Das pausbäckige Grübchenlächeln auf der einen Seite des Kinderwagens in Kombination mit dem aufreizend langgezogenen „Paaaaapa“-Brabbeln auf der anderen Seite untergräbt meine Glaubwürdigkeit in diesem Moment immens. 1:0 für die Kinder. Halbzeitpause.

Ganz offensichtlich nicht offensichtlich

Ein weiterer Klassiker im Zwillings-Bullshit-Fragen-Bingo fehlt aber noch. Nachdem ich die Kassiererin und ihre Kasse hinter mir gelassen habe und eilig alle benötigten Kopfbedeckungen zur Nutzung reaktiviert habe, taucht vor dem rettenden Ausgang  noch eine weitere weibliche Gestalt mit bunt angemaltem Gesicht auf und ergötzt sich mitsamt gefühlt vorgetäuschtem Mitleid an meiner jämmerlichen Erscheinung (Augenringe, Knitterhemd, 49-Tage-Bart usw.): „Die machen aber auch bestimmt viel Arbeit, oder?“ Nein. Der Papst ist nicht katholisch. Bei der Deutschen Bahn fahren alle Züge pünktlich und der FC wird dieses Jahr ganz sicher wieder Meister. Nein, zwei Kinder machen nicht viel Arbeit. Zwei Kinder sind wie Zeit und Antizeit – da wo sie sich begegnen, heben sie sich gegenseitig auf. Zwei Kinder sind also wie kein Kind. Geistesgegenwärtig entgegne ich stattdessen mit perfekter Inszenierung: „Ja, schon ein wenig, aber sie geben einem auch unheimlich viel zurück.“

Innerlich zerrissen ob meiner feigen Lüge und kopfschüttelnd verlasse ich mit einem gequälten ‚Bis bald‘ den Ort des Geschehens und trinke hastig meinen Energy Drink aus.

Morgen gehe ich wieder mit den Kindern spazieren und es wird mich jemand ansprechen. Garantiert. Und irgendwie freue ich mich inzwischen trotzdem darauf.

Source Image: https://www.freestock.com/free-photos/funny-child-portrait-boy-stressed-isolated-3318329

Der Beitrag Plötzlich beliebt oder warum mich jetzt alle Welt anlabert erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
https://www.papasrabauken.de/2017/08/20/ploetzlich-beliebt/feed/ 0
Top 5 – Warum Zwillinge etwas wirklich Außergewöhnliches sind https://www.papasrabauken.de/2017/07/17/top-5-warum-zwillinge-etwas-wirklich-aussergewoehnliches-sind/ https://www.papasrabauken.de/2017/07/17/top-5-warum-zwillinge-etwas-wirklich-aussergewoehnliches-sind/#respond Mon, 17 Jul 2017 15:00:18 +0000 https://www.papasrabauken.de/?p=66 Zwillinge machen Arbeit, viiiel Arbeit – und Dreck, viiiel Dreck – ach ja, und Krach, und Freude, ja, manchmal auch das. Im Vergleich zum normal nervenden Einling sind Zwillinge wahrhaftig die potenzierte Kindsurgewalt. Glaubt ihr nicht? Hier sind meine persönlichen Top 5 Beweise, warum es mit Zwillings-Babies gaaanz anders als mit Einlingen ist. 1. Deine … Top 5 – Warum Zwillinge etwas wirklich Außergewöhnliches sind weiterlesen

Der Beitrag Top 5 – Warum Zwillinge etwas wirklich Außergewöhnliches sind erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
Zwillinge machen Arbeit, viiiel Arbeit – und Dreck, viiiel Dreck – ach ja, und Krach, und Freude, ja, manchmal auch das. Im Vergleich zum normal nervenden Einling sind Zwillinge wahrhaftig die potenzierte Kindsurgewalt. Glaubt ihr nicht? Hier sind meine persönlichen Top 5 Beweise, warum es mit Zwillings-Babies gaaanz anders als mit Einlingen ist.

1. Deine zwei Arme sind immer einer zu wenig

Schon direkt nach der Geburt deiner Zwillinge, du hast gerade erst verarbeitet, dass alle Ultraschalle Recht hatten und das eine Wunschbaby nicht doch ein Echo geworfen hat, hast du als Papa das Problem, dass du so gar keine Hand frei hast, um so ganz banalen Tätigkeiten nachzugehen, die man als Mann nun mal macht, z.B. um dich zu kratzen. Egal wo.

Während Mama noch „zugemacht wird“ oder sich bereits das erste Piccolöchen gönnt, hast du als Vater bereits den ersten Ernstfall zu bewältigen. Links auf dem Arm eine Maus, rechts die andere. Und dann spürst du, wie es langsam am Rücken anfängt zu jucken. Ach was, so ein kleines Jucken, was kann das schon anstellen?! Dafür habe ich doch zwei bezaubernde Wesen auf den Armen. Hmmh, eine Minute geht das gut, vielleicht auch fünf, aber spätestens nach zehn Minuten treibt dich so ein kleines Jucken dermaßen in den Wahnsinn, dass du kurz davor bist die gynäkologische Fachärztin mit Doktortitel, die immer noch am „Zumachen“ deiner Frau ist, zu bitten ihre Nägel in deinen Rücken zu bohren. Schön langsam, einen nach dem anderen. Aber nur kurz davor. Zwillings-Väter kennen nämlich keinen Schmerz.

2. Der Körper-Airbag

Zwillinge lernen nicht zwangsläufig später als Einlinge das Laufen, genauso wie sie weder länger brauchen für das erste Wort, die erste feste Wurst noch das erste Fernsehverbot. Allerdings fällt eine(r) der beiden glücklicherweise fast nie auf den harten Boden, sondern grundsätzlich auf das Geschwisterchen. Ob Bauch, Rücken, Beine, Kopf (!), Füsse oder Arsch, es gibt kein Körperteil, dass nicht mindestens einmal täglich als menschlicher Airbag herhalten muss. Was Zwilling eins kauernd am Boden damit als menschliches Schutzschild für Zwilling Nummer zwei leistet, kann man also gar nicht hoch genug bewerten.

3. Forget Rückenschule

Wenn ihr das nächste Mal Eltern von frisch geborenen Einlingen seht, schaut euch doch mal deren Körperhaltung an. Genauer gesagt, die bis zur Unkenntlichtkeit verbogenen Strukturen, die früher mal Rücken und Schultern gewesen sein sollen. Spätestens ab Lebenswoche FÜNF, wenn die kleinen Kacker dank Muttermilch oder Milupa ordentlich Fett ansetzen, wird der anfangs ach-so-leichte Maxi Cosi mal eben schnell zum vollen Kasten Bier – im übertragenen Sinn. Und den dann mal eben zum Kinderarzt, in die Mall, aus dem Auto, in das Auto oder wegen der andauernden eigenen Höllen-Rückenschmerzen vom Parkplatz die vier Stockwerke zum Kassen-Orthopäden hochzuwuchten, jaaaa, da verabschieden sich die Bandscheiben mal eben so schnell wie Rekruten in der Grundausbildung; die Wirbelsäule verformt sich zum doppelten Fragezeichen, und bei Regen läuft das Wasser zukünftig dank der hängenden rechten Körperhälfte schön über den Buckel und die Schulter ab. Meist findet man Einlings-Eltern dann später vor Apotheken herumlungernd, um sich mit Ibuprofen-Nachschub zu versorgen oder jahrelang mit Abo in der Rückenschule. Bei Zwillingen bleibt dir all das erspart. Wer mal zwei vollbepackte Römer-Sitze samt 12-monatigem Mops-Inhalt kerzengerade durch die Gegend getragen hat, weiß, wovon ich schwärme. Gleichgewicht halten ist Alles. Dazu muss man nicht mal Waage sein!

4. Hinz und Kunz – und viele andere nette Leute

Jeder, der mal mit einem vollbesetzten Zwillingskinderwagen durch die Gegend gelaufen ist, sei es, um kurz Babybrei-Nachschub von LIDL zu besorgen, der übrigens auch hungrigen Vätern schmeckt, oder um einen Koffein-und Zucker-Rettungs-Latte Macchiato mit Extra Caramel beim Bäcker um die Ecke zu bestellen, oder einfach nur beim Spazierengehen, um das nächtliche Laktat aus den Beinen zu laufen, dass sich durch 84-maliges Aufstehen gebildet hat – immer, ja wirklich immer, gibt es auf dieser Welt jemanden, der dich aus heiterem Himmel anspricht. Da magst du selber aussehen wie der letzte Oger, ungeduscht, nach billigen parfümfreien Feuchttüchtern riechend, um den Gestank deiner Windel-Hände zu übertünchen oder unrasiert mit einem ZZ Top-Gedächtnis-Bart ausgestattet, der deiner Familie ausser einem „Taliban-Kompliment“ nichts mehr abgewinnen kann. Selbst dann sprechen dich wildfremde Leute an. Auch das große „Fuck you“ auf deiner Stirn wird vom anstürmenden Pöbel geflissentlich übersehen. Als ich nur Einlings-Vater war, interessierte sich in der Öffentlichkeit so ziemlich niemand für mich und meinen Stammhalter. Zwillinge ändern diesen Status garantiert. Auch das Muster der Ansprache ist nahezu jedes Mal identisch oder zumindest in großen Teilen sich frappierend ähnelnd. Dazu später aber mal mehr. Als Zwillings-Dad bist du im Vergleich zum schnöden Einlings-Vater auf jeden Fall etwas Besonderes – das lassen dich jeden Tag viele deiner Mitmenschen wissen, ob du willst oder nicht.

5. Es kommt nicht nur auf die Länge an

Pfui. Alle mal wieder runterkommen von dem Gedankenporno grad. Es geht hier nicht um die Länge, sondern um die Breite. Vom allerwichtigsten Spielzeug eines Vaters. Vom Kinderwagen, ihr Lustmolche. Einlings-Kinderwagen sind heutzutage schon was Feines. Keine sperrigen 15 Kilo-Monster mehr. Außer man kauft sich diese Retro-Dinger – so ganz ohne ABS, Fahrspurassistent und Servolenkung, weil das ja angeblich wieder so „IN“ ist, Kinder in Panzern durch die Gegend zu schieben. So „IN“ wie Fokuhila und Dosen-Ravioli. Außer für jene Menschen, die ihre Einlinge lieber in großkupfernden Mercedes-liken Kinderwagen mit dem iPhone 7 Plus im Dauer-Anschlag die Straßen hinauf und hinunter stoßen, diese Instagram-Trolls, ja für alle anderen gibt es heutzutage eine Riesenauswahl an handlichen, praktischen, leicht zu bedienenden, formschönen, modischen und einfach nur schicken Kinderwagen. Und ganz ehrlich, wer hat seinen Kinderwagen, nachdem der erste Balg endgültig nicht mehr vom Laufen abzuhalten war, NICHT fein säuberlich in den Schuppen, die Garage oder auf den Dachboden gestellt, um ihn beim zweiten positiven Schwangerschaftstest mit breitem „Ich-habs-ja-gewusst-dass-es-ein-Mädchen-wird-Grinsen“ wieder rauszukramen?! Pustekuchen!! ZWEI piepende Punkte auf dem Ultraschall. Zwei Mutterkuchens. Zwei Fruchtblasens. Alles Wörter, die man sonst nur im Singular in den Mund nimmt – also verbal. Wobei einige inzwischen Ersteres ja auch in den Mund nehmen und dann feste zubei… Naja, anderes Thema. So schnell wie Angela Merkel ihre grundlegende Haltung in konservativen Heiligtümer-Themen der Union ändert, so schnell hat sich der Plan des „Recyclens“ deines alten Kinderwagens erledigt, wenn du Zwillinge erwartest. Eine erste obligatorische Amazon-Suche lässt Fürchterliches erahnen. Bei Mobile.de werden italienische Kleinstwagen anschließend mitunter günstiger angeboten als das gesuchte Gefährt. Sogar Traktoren wirken neben Zwillingswagen wie süße Spielzeug-Autos. Letztlich überzeugt dich dann doch die Fleischereifachverkäuferin, ähh beziehungsweise die Zwillingskinderwageneinzelhandelsfachverkäuferaushilfsassistentin, die schnurstracks das Macbook unter den vier ausgestellten Modellen im 1000-Quadratmeter-Ausstellungsraum ansteuert. Immerhin gab’s den Kaffee umsonst. Sämtliche Freudentränen, die du nach dem Erwerb des neuen Zweitwagens der Familie vergossen hast und die jetzt langsam über deine Wangen laufen, erkalten in dem Moment zu einem eiskalten Wangen-Gletscher, als du den neuen Mittelklasse-Kinderwagen das erste Mal durch die Haustür schieben möchtest… und steckenbleibst. „Was hast du denn da für einen Mist gemessen?“, raunzt dich das kurz-vorm-doppel-wurf-stehende und mit Hormonen randfüll gefüllte Weib von hinten an. Jetzt müsste mal ein „Ruck durch Deutschland gehen“, denkst du dir. Sagte schon unser BuPrä a.D. Roman Herzog, Gott hab ihn selig, oder halt wenigstens ein Ruck durch meine Haustür! Und siehe da, manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Ob das die Kassen bei Rossmann, LIDL und Real, die Eingangs-Pforten im Bürgerbüro oder der KfZ-Zulassungsstelle genauso gelassen sehen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Es kommt halt IMMER auf die Breite an.

Image Source: https://www.freestock.com/free-photos/number-five-3d-grass-texture-isolated-65842177

Der Beitrag Top 5 – Warum Zwillinge etwas wirklich Außergewöhnliches sind erschien zuerst auf Der Ratgeber-Blog für Väter und alle, die es mal werden wollen.

]]>
https://www.papasrabauken.de/2017/07/17/top-5-warum-zwillinge-etwas-wirklich-aussergewoehnliches-sind/feed/ 0